Das Moppelchen
flieht vor seinen
Mobbern
auf dem Mop(p)ed
nach Meppen
Wenn Sie abends im Dunkeln auf dem Sofa Ihre oder Ihren Liebste oder Liebsten leise stupsen und „mein Moppelchen“ ins Ohr flüstern, so ist das schon fast eine Geheimsprache. Wenn aber die Jungs oder Mädchen aus der letzten Reihe in der Schule einem anderen Mädchen oder Jungen das Wort Moppelchen ins Ohr flüstern oder gleich den unverkleinerten Moppel zur Sprache bringen, dann ist das Mobbing. Vielleicht nicht beim ersten Mal, dann ist das nur unerhört. Wird es Routine, ist es tatsächlich Mobbing.
Der Lehrer könnte den Mobbern jetzt, sofern er Befugnisse hätte, die ein Lehrer hierzulande nicht hat, einen Mopp in die Hand drücken, damit sie damit moppen. Falls Sie gewohnt sind, mit dem Mopp zu wischen, Sie dürfen damit auch moppen. Ich habe im Duden nachgesehen. Sofern die Mobber westmitteldeutscher Herkunft (Duden) sind, würden sie jetzt bestimmt moppern. Kommen sie hingegen eher aus dem Süden oder dem Norden würden sie wohl meckern. Sie sehen den Sinn in dieser Bestrafungsaktion nicht so ganz? Lassen Sie uns nach England segeln: „to mop the floor with someone“ heißt übersetzt „jemanden besiegen, fertigmachen“. Und warum wir segeln sollen, kann ich Ihnen auch erklären. Im späten Mittelalter haben englische Matrosen das Schiffsdeck mit der „mappe“ oder auch der „mappel“ bearbeitet. Ein großes Bündel aus Stoff- und Garnresten – der Vorläufer des Mopps. Im 17. Jahrhundert zog dann der die oder das mappel als mop in die englischen Häuser ein, um bei der Fußbodenreinigung zu helfen.
Noch weiter zurück kommen wir bis zur lateinischen Mappe, die erst eine Serviette ist und später eine Karte. Während die Engländer noch immer in die Map schauen, also in die weiterentwickelte Serviette, wenn sie eine Reise antreten wollen, haben wir Deutschen zwar die Mappe übernommen, bei der Karte hingegen sind wir eigen geblieben. Und während wir, wenn wir das Verb suchen, immer noch kartieren, nutzt der Engländer die Map als Verb: to map.
Wir Deutschen haben das Verb dennoch gern übernommen: wir mappen. Fachsprachlich. Sagt der Duden. Und wir meinen damit, dass etwas passgenau aufeinander abgebildet wird. Das mappt. Nicht nur fachsprachlich, auch umgangssprachlich.
Aber was ist nun mit unseren jugendlichen Mobbern? Wenn wir denen ihren Mopp wieder mopsen, werden sie dann zu Mopsen? Während wir die Mopser sind? Und wo bleibt unser Moppel? Das sitzt längst auf dem Mopped, orthografisch korrekt auf dem Moped, und ist weit davon entfernt, uns davonzuhoppeln – aber trotzdem schon ganz nah am Ziel: Meppen.
Wenn Sie jetzt die Motten kriegen, lassen Sie’s. Das haben wir alle längst vergessen. Das ist Tuberkulose. Finger weg! Und den Mopp auch.
Ganz fertig sind wir dennoch nicht. Angekommen in Meppen, moppelt unser Moppelchen lautstark über das Mop(p)ed, entfernt sich hopsend in Richtung der im Winde plappernden Pappeln, verwandelt sich, ein Stoppelfeld erreichend, zum Hoppelchen und sucht das Weite. Das Mop(p)ed aber steht fürderhin unbenutzt in Meppen und hat ein Räppelchen am Rädchen.
