
Ein fischischer Redeschwall ohne Therapeuten
Fischisch – Dieses schöne deutsche Wort haben Sie gewiss schon oft benutzt, aber noch niemals geschrieben. Sofern Sie Rheinländer sind und Ihre Aussprache phonogra-fisch Ihrer Region entspricht: Fischisch ist typo- und orthogra-fisch nicht wirklich korrekt, kalligra-fisch jedoch ein Leckerbissen. Mindestens aber, wenn Sie Butter bei die Fische tun. Gut, der Rheinländer macht da vielleicht lieber Nägel mit Köpfen, als dass er die Fische buttert. Aber der Norddeutsche, sofern er nicht Tacheles redet, kann, verbal, mit der Butter dem Fisch schon auf die Pelle rücken. Wobei der Norddeutsche an und für sich zum Verzehr von Fischen nur bedingt neigt, so meine biogra-fische Lebenserfahrung.
Wobei: Aus demogra-fischer Sicht ist meine Wahrnehmung allein vielleicht nicht die richtige Grundlage. Versuchen wir es philoso-fisch. Der Norddeutsche, kartogra-fisch ans Meer nahezu gebunden und rhetorisch gern auch mal stumm wie ein Fisch, fühlt ja von Natur aus eine gewisse Seelenverwandtschaft mit den Tieren des Meeres. Meer noch als mit den Tieren des Landes. Die Lamm-en-Tiere stellt er auf den Deich, aber auch sie führt er nicht zur Schlachtbank. Und vielleicht setzt sich der norddeutsche Fischkopp von Zeit zu Zeit an irgendein Wasser und fischt im Trüben.
Ob aber die Ausbeute danach auf dem heimischen Tisch oder im heimischen Teich landet, das sei dahingestellt. Wir wenden uns deshalb vom Fisch ab und dem Tisch zu: Und jetzt dürfen Sie sich mit mir wundern. Während der Fisch sprachlich und geschmacklich fischisch oder orthogra-fisch korrekt fischig sein kann, ist der Tisch niemals tischig oder tischisch. Aber er ist dennoch kein Ding ohne Eigenschaften: Vier Beine verleihen ihm Stand und Festigkeit. Tierisch ist er dennoch oder vielleicht auch genau deswegen nicht. Wichtig für den Tisch und für uns ist das Auf und das Unter. Schauen Sie doch mal nach, wer bei Ihnen die Füße unter den Tisch setzt – oder wen Sie gestern unter den Tisch getrunken haben. Sollten Sie dort den Fisch wiederfinden, den wir eben oben stehengelassen haben, haben Sie vielleicht den Boden unter den Füßen verloren. Macht nix! Machen Sie reinen Tisch, vergessen Sie den Vorabend – und bringen sie den Fisch vom Tisch. Denn der stinkt bekanntlich vom Kopfe her. Wahrscheinlich nennt man diese Eigenschaft olfaktor-fisch.
Wenn Sie wie die Norddeutschen stumm wie ein Fisch, fromm wie ein Lamm und abgrundtief wie ein Meer dem Schweigen huldigen können, verrate ich Ihnen noch etwas: Dieser Text ist mindestens lalopathisch. Also krankhaft geschwätzig. Das Gute daran: Diese Krankheit steht noch nicht im ICD, das Wort noch nicht im Duden. Ich darf also noch eine Weile weiter schwatzen, ohne in therapeu-fische Behandlung zu müssen. Bis zum Lalo-pa-fisch komme ich aber heute nicht mehr.
